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Einblasdämmung im Altbau: Chancen, Grenzen, Kosten

Kategorie: Energetische Sanierung

Wände, die im Winter auskühlen und im Sommer schnell aufheizen – das ist in vielen Bestandsgebäuden Alltag. Wer nicht die halbe Hülle öffnen oder neu aufbauen will, landet schnell bei einer Lösung mit Charme: der Einblasdämmung. Sie bringt Wärmedämmung in Hohlräume, schont die Bausubstanz und ist oft in wenigen Stunden erledigt. Klingt zu gut? Schauen wir genauer hin – besonders aufs Dach, denn dort verpufft in Altbauten gern viel Energie.

Warum Einblasdämmung im Altbau eine Chance ist

So funktioniert die Methode

Die Einblasdämmung nutzt bestehende Hohlräume in Wänden, Decken oder im Dach. Über kleine Bohrungen wird Dämmstoff – etwa Zellulose, Holzfaser, Mineralwolleflocken oder EPS-Perlen – unter definiertem Druck eingebracht. Der Vorteil: Der Dämmstoff schmiegt sich an, füllt auch verwinkelte Bereiche und reduziert Konvektion. Für viele Altbauten ist das ein sanfter Weg zu spürbar besserer Wärmedämmung, ohne den kompletten Aufbau zu erneuern.

Gerade bei zweischaligem Mauerwerk (Kerndämmung), Holzbalkendecken oder der obersten Geschossdecke liefert die Einblasdämmung solide Werte. Im Dach kann sie zwischen den Sparren oder auf der Decke zum Kaltdach eingesetzt werden – immer vorausgesetzt, Luftdichtheit und Feuchteschutz passen.

Schematische Einblasdämmung: Hohlräume in Wand und Dach werden lückenlos gefüllt.

Wo sich Einblasdämmung lohnt

Altbau ist nicht gleich Altbau. Besonders attraktiv ist die Methode, wenn Hohlräume ohnehin vorhanden und zugänglich sind: zweischalige Klinkerfassaden, Holzbalkendecken, die oberste Geschossdecke zum unbeheizten Dachraum oder unzureichend gedämmte Schrägen. Im Dachbereich bringt eine nachträgliche Einblasdämmung häufig 15 bis 25 Prozent weniger Heizwärmeverlust – je nach Ausgangszustand. Nebenbei verbessert sich oft der Schallschutz, und bei Zellulose oder Holzfaser profitiert der sommerliche Wärmeschutz.

Ein weiteres Plus: Die Eingriffe von außen bleiben klein. Statt Gerüste und großflächige Abbrüche braucht es meist nur kurze Bohr- und Schließarbeiten. Für bewohnte Bestandsgebäude ist das Gold wert.

Grenzen, Kosten und was im Dach besonders zählt

Typische Grenzen im Bestandsgebäude

Die Einblasdämmung kann viel, ersetzt aber keine Grundsanierung, wenn die Konstruktion beschädigt ist. Feuchte Stellen, Undichtigkeiten oder Salzausblühungen müssen zuerst geklärt werden. Im Dach sind zwei Punkte sensibel: Luftdichtheit und Feuchtemanagement. Eine funktionierende Dampfbremse (innen) und eine funktionsfähige Unterdeckung (außen) sind Pflicht, damit keine Feuchtigkeit in die Dämmung gelangt. Fehlende oder durchlöcherte Schichten lassen sich häufig mit überschaubarem Aufwand nachrüsten – aber ohne diese Basis wird’s riskant.

Auch die Geometrie setzt Grenzen: Sehr schmale Hohlräume, blockierte Gefache oder Einbauten können zu Hohlstellen führen. Darum gehört eine sorgfältige Voruntersuchung dazu: Endoskopie, Blower-Door, Feuchtemessungen, manchmal eine kleine Öffnung, um Schichtaufbauten zu prüfen. Seriöse Betriebe dokumentieren Dichte und Einbringmenge, damit später nachvollziehbar ist, dass die Hohlräume wirklich voll sind.

Kosten im Überblick

Die Kosten variieren je nach Bauteil, Dämmstoff und Aufwand. Als grobe Orientierung für Einblasdämmung in Bestandsgebäuden:

Hinzu kommen oft Pauschalen für Anfahrt, Bohr- und Schließarbeiten sowie Luftdichtheitsmaßnahmen (typisch 300–1.500 € je nach Umfang). Ein Einfamilienhaus landet so nicht selten im Bereich von 3.000–9.000 €. Wer staatliche Förderung nutzen will, schaut auf die aktuellen BEG-Regeln; ein Energieberater kann prüfen, ob das Vorhaben die technischen Mindestanforderungen erfüllt.

Wirtschaftlich rechnet sich die Maßnahme häufig schnell, weil sie mit vergleichsweise kleinen Investitionen große Flächen ertüchtigt. Besonders das Dach bietet ein gutes Verhältnis aus Wirkung und Kosten – dort sind die Temperaturunterschiede groß und die Verluste entsprechend hoch.

Planung und Ausführung: Tipps

Gute Planung zahlt sich aus. Ein kompakter Ablauf, der sich in vielen Projekten bewährt hat:

Welcher Dämmstoff ist der richtige? Im Altbau-Dach sind Zellulose und Holzfaser beliebt, weil sie Hohlräume gut füllen und im Sommer träge reagieren. Mineralische Flocken punkten bei Feuchteunempfindlichkeit und Brandschutz. Bei der Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk kommen oft hydrophobierte Mineralwolle oder EPS-Perlen zum Einsatz – wichtig ist hier der Schlagregenschutz der Fassade.

Schönes Nebenprodukt: Die Einblasdämmung lässt sich oft mit kleinen Reparaturen kombinieren. Eine undichte Steckdose im Kniestock? Gleich mit abdichten. Das spart Wege und erhöht die Wirkung.

Unterm Strich bietet die Einblasdämmung im Altbau eine starke Mischung aus Tempo und Nutzen. Wer sein Bestandsgebäude Schritt für Schritt auf Vordermann bringen will, bekommt damit einen großen Hebel – vor allem am Dach. Mit sauberer Planung, einem prüfenden Blick auf Feuchte und Luftdichtheit und einem erfahrenen Fachbetrieb wird aus einer überschaubaren Baustelle ein deutlich behaglicheres Zuhause.

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